Urlaub auf die sanfte Tour
14.06.2010 | von Die Tarifexperten | Kategorie: Energie
Nachhaltiger Urlaub. Dieser Begriff schwirrt derzeit verstärkt durch die Ferien- und Tourismus-Branche. Gemeint ist damit, seinen Urlaub im Einklang mit der Natur zu verbringen, oder zumindest dieser bewusst nicht zu schaden. Klimaschutz durch verminderte CO2-Produktion und genereller Umweltschutz stehen dabei auf der Tagesordnung. Eigentlich eine schöne Idee, aber ganz ehrlich? Haltet mich für ignorant und zynisch, aber die meisten Leute, die ich kenne planen ihren Urlaub vor allem günstig und erholsam. Meine Freunde sind alle keine Umweltsünder, keine bösen Ignoranten, aber jetzt bei der Ferienplanung auch noch drauf zu achten, dass man damit die Umwelt schützt – ist das vielleicht nicht doch ein wenig zu idealistisch gedacht?
Ich verstehe und schätze das Konzept des “nachhaltigen” oder auch “sanften” Urlaubs, bezweifle lediglich seine Massentauglichkeit.
Aber schauen wir doch mal genauer hin: Was wird denn da eigentlich von den Urlaubern verlangt? Laut der weisen Wikipedia definiert sich sanfter, nachhaltiger Urlaub wie folgt:
Der Reisende sollte versuchen
1. so wenig wie möglich auf die bereiste Natur einzuwirken bzw. ihr zu schaden,
2. die Natur möglichst nah, intensiv und ursprünglich zu erleben,
3. sich der Kultur des bereisten Landes möglichst anzupassen.
Einfach gesagt: Es soll versucht werden, die negativen Auswirkungen des Massentourismus zu verringern. Schön und gut.
Das Problem dabei ist ebenso schwerwiegend wie paradox, denn: alle Leute, die ich kenne, sehnen sich für die Ferientage nach möglichst unberührter Natur, glasklarem Wasser, weißen Sandstränden. Nicht nur meine Freunde wollen in derartig idyllischer Umgebung ihren Urlaub verbringen. Ich auch. Und eine Myriade von anderen Menschen.
Diese unberührten Idyllen gehen aber nachweißlich vor die Hunde, wenn sie von diesen Myriaden von Urlaubern heimgesucht werden, Jahr für Jahr und Jahr für Jahr aufs Neue.
Also: sollten wir nicht alle ein klein bisschen mehr Aufwand betreiben, bei unserer Urlaubsplanung, damit wir unsere Traumferien auch in den kommenden Jahren an malerischen Stränden mit kristallklarem Wasser verbringen können?
Wenn man mal ein bisschen nachdenkt, sind die Ansätze des sanften Tourismus gar nicht so realitätsfremd, nein, sogar recht simpel. Man könnte beispielsweise den örtlichen Tourismus im Urlaubsland derartig ankurbeln, dass die Einheimischen finanziell betrachtet etwas davon haben. Es gibt mittlerweile in jedem Land umweltfreundliche Hotels, die ihre Service-und Dienstleistungen im Einklang mit der Natur und ressourcenschonend anbieten. Gerade auf Urlaubsinseln lohnt es sich, statt einem Mietwagen ein Fahrrad zu nutzen um die Umgebung zu erkunden – das schont die Umwelt.
Es sind Kleinigkeiten, die sich auszahlen können, wenn auch nur ein Teil der Urlaubsreisenden mitzöge. Ob sie das tun werden sei dahingestellt. Wenn ich dieses Jahr meinen Urlaub buche, werde ich wohl auch nicht gezielt nach einem umweltfreundlichen Hotel suchen, aber wenn mir bei meinen Recherchen eines begegnet, wird es sich definitiv genauer angeschaut. Irgendwo muss man ja mal anfangen.