Finanzen und Versicherungen: Mangelhaft

15.11.2010 | von | Kategorie: Finanzen

Wieviele Zinsen gibt’s auf’s Girokonto? Blöde Frage – gar keine natürlich. Weiß doch jeder? Ja? Sicher? Leider ist dem keineswegs so: Eine bundesweite Forsa-Umfrage unter Schülerinnen und Schülern der zehnten Klassen im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums hat ergeben, dass Jugendliche besonders bei den Themen Finanzen und Versicherungen erhebliche Wissenslücken haben.

Nun sollte man meinen, wer keine Ahnung hat, hat mit diesen Dingen auch bewusst nichts am Hut. Befasst sich nicht mit diesen Themen – um keine Fahler zu machen. Aber es geht gar nicht um Detailwissen in Sachen Versicherung, Krankenkasse und Bausparen, wie man annehmen könnte. Es geht viel mehr um ganz simple Alltagskompetenzen, die den Kids scheinbar heute fehlen, wenn man der Studie glauben schenkt.

Beispiele gefällig? Bleiben wir doch mal beim Girokonto. Nicht nur, dass viele Jugendliche denken, man könne dabei von Zinsen profitieren. Ein Großteil weiß nicht einmal, was ein Girokonto genau ist oder wie es funktioniert. Dass das Geld am Ende des Montags auf dem eigenen Konto weniger geworden ist, wundert überraschenderweise keinen von ihnen. Dabei müsste es ja eigentlich mehr geworden sein – wegen der Zinsen und so. Naja, vielleicht kommen die ja später. Is’ aber auch egal. Da hapert es nicht nur an Wissen, sondern auch ganz grundsätzlich an Interesse.

Wieso soll man Dinge denn auch hinterfragen? Läuft doch alles. Das Handy funktioniert, sms werden verschickt, Gespräche werden problemlos geführt – dass das unter umständen vielleicht günstiger ginge, als auf der hohen Handyrechnung, die Monat für Monat ins Haus flattert? Wen interessiert’s? Die wenigsten Kids sind überhaupt in der Lage, ein gutes Angebot von einem weniger guten oder für ihre Bedürfnisse gar gänzlich unpassenden zu unterscheiden. Telefon Flat in alle Netze eines einzelnen Providers für so und so viel Euro im Monat? Super! Voll günstig, ey! Dass keine der wichtigen Kantaktpersonen in diesem Netz telefoniert ist da scheinbar weniger wichtig. Weil, war ja billig, ne? Und so laufen die Handyverträge und laufen und laufen. Wie genau der Tarif aufgebaut war, weiß sehr bald niemand mehr. Und auf die Idee, sich nach einer günstigeren Alternative umzusehen, kommt keiner.

Einzig im Internet beweisen die Kinder und Jugendlichen volle Kompetenz und haben damit den Erwachsenen so manches voraus. Soziale Netzwerke wie Facebook oder SchülerVZ? Alles kein Problem. Als hätten sie’s mit der Muttermilch eingesogen.

Aber das reicht eben nicht. Das haben auch Bund und Länder erkannt und versuchen nun mit Bildungsinitiativen gegenzusteuern. Die Frage ist, ob es damit getan, oder aber das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist – denn wie sagt man so schön altbacken? Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

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