Geiz ist geil? Von wegen!
23.05.2011 | von Die Tarifexperten | Kategorie: Finanzen
Der inzwischen in die Jahre gekommene Werbeslogan eines bekannten Elektrodiscounters liegt falsch. Geiz ist alles andere als geil. Zumindest sagt das die Mehrheit der Frauen in eine Umfrage der Online-Partnervermittlung Elitepartner im Auftrag von “Welt Online”. Und Knauserigkeit ist nicht nur unattraktiv – sie macht auch seelisch krank.
Natürlich soll hier nicht die Rede von ganz normalen, oftmals notwenigen Sparmaßnahmen sein, die man eben absolviert, um mit seinem Monatsbudget besser auszukommen oder sich einen größeren Wunsch zu erfüllen, der nun mal eben einer größeren finanziellen Investition bedarf.
Viel mehr geht es um Geiz in Beziehungen. Angefangen von der simplen Tatsache, dass Frauen es eben doch nett finden, wenn man sie einlädt, bis hin zum Kampf um die Einstellung des Heizungsreglers. Wenn sie friert (und das tut Frau klischeehaft eben meistens öfter als die Herren der Schöpfung), dann sollte er nicht manisch den Regler sofort wieder runterdrehen – weil kost’ ja Geld, ne?
Die Umfrage Ergebnisse ergaben, dass Frauen Geiz sogar schlimmer finden als mangelnde Sensibilität oder Lethargie. Geiz schreckt ab.
Und wie kommt man nun zu dieser Weisheit? Immer mehr Paartherapeuten berichten von Fällen aus ihrem Praxisalltag, bei denen Paare genau wegen diesem Problem therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Trotz allgemeinem Wohlstand ist Knauserigkeit bis hin zum krankhaften Geiz für Beziehungen ein riesiges Problem.
Wieso ist das so? Die These der seelenkundigen Experten: Die Menschen stecken in einer fundamentalen psychischen Finanzkrise. Jobs sind heutzutage nicht mehr sicher. Wer sich allgemein unsicher fühlt, sucht nach Halt, nach Sicherheit, nach einer Konstanten. Gerade in frischen Beziehungen, in denen das Fundament noch nicht so stabil ist, die Partner nicht eingespielt sind, besinnen sich vor allem Männer vorzugsweise auf das Einkommen als Konstante. Dies passiert vor allem, wenn jemand das Gefühl hat, in der Beziehung auf irgendeine Art zu kurz zu kommen.
Der Partner könnte nun meinen, es sei eine gute Strategie, nach vorn zu flüchten – einfach noch großzügiger werden. Aber das geht höchstwahrscheinlich nach hinten los. Denn Großzügigkeit kann zwanghafte Sparsamkeit noch weiter anstacheln.
Psychologen empfehlen daher die drastische Methode. Sie haben nun bereits ein Dutzend Mal die Drinks gezahlt? Dann weisen sie Ihr Gegenüber zwar freundlich, aber deutlich darauf hin, dass er nun an der Reihe ist. Dies, so die Psychologen, zeige, dass man bewusst mit Geld umgeht und wirtschaften kann. Und darum geht es dem Knauserer ja eigentlich.
Unterm Strich sollte man das Gespräch mit dem Partner suchen, rechnen und sich eines bewusst machen: Es bringt viel mehr, wenn es einem gut geht, als wenn man viel Geld hat. Natürlich soll man sein Geld nicht verschleudern, aber sich (oder dem Gegenüber) ab und an etwas zu gönnen ist ebenso wertvoll.