Das Telefonat sagt leise Servus
16.08.2010 | von Die Tarifexperten | Kategorie: Handy
Junge Menschen telefonieren nicht mehr. Naja, fast nicht mehr. Vor vielen Jahren beweinte die Welt bereits aus tiefstem Herzen das Verscheiden des geschriebenen Briefs. Nun liegt also das Telefongespräch im sterben. Wie konnte das passieren?
Eben saß ich im Büro und habe mich das ernsthaft gefragt, nur um mich dann mal an meine eigene Nase zu fassen und mit Schrecken festzustellen: ich telefoniere wenig. Sehr wenig. Und wenn, dann zumindest vom Handy aus so kurz wie möglich – weil teuer, gelle? Natürlich kommuniziere ich trotzdem mit den lieben und sonstigen Menschen in meinem Leben – per E-Mail, oder per SMS.
Und ganz offensichtlich geht es nicht nur mir so. Wie verlässliche Quellen verlauten lassen, hat die Anzahl verschickter SMS in Deutschland ein Rekordniveau erreicht. 34,4 Milliarden SMS wurden 2009 versendet. Das Gesamtvolumen versendeter SMS hat sich in weniger als zehn Jahren mehr als verdreifacht. Pro Sekunde wurden 2009 knapp 1.100 SMS verschickt, jeder Deutsche versendete im Schnitt 420 SMS pro Jahr. Das ergibt einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro.
Kein Wunder, dass bei all der Tipperei keiner mehr dazu kommt, jemanden anzurufen. Nun da die Fakten zu Tage gefördert wurden, fragt man nach dem Warum. Haben wird uns heute einfach alle weniger lieb und beschränken uns deswegen gut und gern auf wenige Zeichen in einer SMS, um mit dem Gegenüber widerwillig in Kontakt zu treten?
Nein, Studien wollen nachgewiesen habe, dass es alles andere als unhöflich wirken soll, dass wir nicht mehr Telefonieren. Es ist nur so, dass wir heute einfach weniger Zeit haben, als noch vor einigen Jahren. Unsere Zeit, gerade unsere Freizeit ist knapp, und wir wollen sie uns bestmöglich einteilen, so effektiv nutzen wie möglich und dabei so wenig wie möglich zu etwas gezwungen werden. Und sowohl einen Anruf zu tätigen, als auch einen entgegenzunehmen kostet Zeit – Mehr Zeit, als das lesen und verfassen einer SMS kostet.
Wie bereits erwähnt, ist es vor allem die jüngere Generation, die kaum noch anruft. Ältere Menschen nutzen ihr Handy in erster Linie, wofür es da ist: zum Telefonieren.
Das Telefonat: Eine untergehende, veraltete Form der Kommunikation, die von Generation zu Generation weiter ausstirbt?
Es ist nicht so, dass wir keinen Kontakt wollen - wir wollen ihn lediglich dann, wenn wir ihn wollen – nicht früher und nicht später. Wir wollen uns bewusst Zeit nehmen. Außerdem fordert ein Telefonat Ausschließlichkeit. Nebenher kann man nicht viel anderes machen. Eine SMS zu verfassen geht schneller und schiebt die Kommunikation so weit wir es eben wünschen auf. Zudem kann man sich überlegen, was man sagen/schreiben möchte. Bei einem Telefonat bleibt kaum Zeit nachzudenken. Da heißt es reagieren – jetzt und sofort.
Doch auch umgedreht betrachtet schafft telefonieren Distanz. Nämlich die zu anwesenden Personen. Wenn man telefoniert kann man nicht mit mehreren Menschen gleichzeitig sprechen. Einer oder mehrere sitzen immer deplaziert daneben und warten auf die Beendigung des Gesprächs.
Vielleicht sind Conferenz-Calls mit Privatpersonen irgendwann die Lösung des Problems. Zu hoffen wäre es, denn… auch wenn ich selber genau aus den oben genannten Gründen (keine Zeit!!!) kaum noch telefoniere – ich stelle im Fall der Fälle dann doch oft fest, dass manchmal durchaus unbezahlbar sein kann, sagen zu können:
Es ist schön Deine Stimme zu hören.