Aba das klingt komisch ;) !!111: Was SMS mit unserer Sprache machen

19.07.2010 | von | Kategorie: Internet

Neulich in den S-Bahn. Ich sitze auf meinem Platz, schaue aus dem Fenster, denke an nichts Böses. Ein Rudel pubertierender Mädchen entert die Bahn. Geschnatter, Trinkpäckchen, Getippe auf dem Handy – die Schule ist aus, soviel ist sicher. Ich kann nicht verhindern, einige Dialogfetzen zu erhaschen. Über Freundinnen, über Jungs und über die Hausaufgaben, wird da geredet. Alles ganz normal. Doch dann passiert es. “Lol”, sagt eines der Mädchen mitten im Gespräch mit der Freundin und lacht.

Ja. LOL. Die Abkürzung für “Laughing Out Loud” (dt. Lautes Lachen). Die allseits bekannte Abkürzung aus der Textwelt des Internets und der SMS. Nur… sie hat es gesagt. Ausgesprochen. Nicht geschrieben. Es kam aus ihrem Mund.

Diese Abkürzungen nennen sich Netzjargon und sind aus der digitalen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich längst als fester Bestandteil der Netzkultur etabliert.

Bevor ich jetzt anfange zu erklären, was Netzjargon ist, zitiere ich lieber gleich meine gute Freundin Wiki Pedia:

“Der Netzjargon zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es eine Sprache ist, die dem eigentlichen Textinhalt sehr treffend und knapp Gefühle oder eventuelle Hintergedanken (wie Ironie) beifügen kann. So können Verständigungsprobleme oder die Gefahr von Missverständnissen gegenüber gesprochener Sprache teilweise kompensiert werden. Hierbei helfen zum einen Emoticons, die dem Smiley nachempfunden sind. Zum anderen hilft zunehmend die Aktionsgrammatik, die mittels Inflektiv (drück, freu, lach) komplexere Gefühle oder Aktionen knapp und treffend ausdrücken kann.”

Aha. Ja, so ist das wohl. Moderne Kommunikation muss vor allem schnell gehen und kurz sein. Wir haben doch keine Zeit! Liest man die obige Definition, stellt man umso mehr fest, wie absurd es ist, im realen leben LOL zu sagen. Aber eigentlich ist es nur ein Beweis dafür, was Chatsprache und SMS-Getippe mit unseren Kindern macht.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Grammatik von Kindern, die regelmäßig lieber Kurzmitteilungen versenden, als sich wirklich zu unterhalten, eindeutig beschränkt bleibt. Hinzu kommt scheinbar, dass auch die Grenzen verwischen, die vorher festlegten, wie wann wo von wem gesprochen wurde. Das Paradoxe daran ist jedoch, dass seit E-Mail und SMS wieder mehr geschrieben wird. Menschen (nicht nur Kinder und Teenies), die sonst nie und nimmer einen Brief geschrieben hätten, die es vorzogen, andere Menschen anzurufen, schreiben heute mit Begeisterung SMS und E-Mails – nur eben wesentlich weniger eloquent, als in der Zeit vor LOL, MFG und *g*.

Natürlich sind SMS nicht alleine Schuld daran, dass unsere Sprach verroht. Die Kids lesen nicht mehr – und nichts formt die Sprache eines Menschen schöner und nachhaltiger, als zu lesen. An dieser Stelle sollten wir uns bei Harry Potter und Bella & Edward bedanken – dann ihnen scheuen die Teenanger heute wesentlich weniger vor 500 Seiten Schinken zurück, als noch vor einigen Jahren.

Ob das Mädchen im Bus ihren Wortschatz und ihre Ausdrucksweise unbewusst durch Twilight oder Harry Potter erweitert, sei dahingestellt. Es beruhigte mich ein wenig, dass zwar dieses unsägliche LOL aus ihrem Mund kam, der Rest ihrer Wortwahl und ihres Satzbaus jedoch durchaus passabel wirkten. Ich hoffe für Sie, dass sie in ihre Schulaufsätze keine Smilies einbaut.

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