Andere Länder, andere Sitten

21.03.2011 | von | Kategorie: Reise

Gute Tischmanieren sind leider keine Selbstverständlichkeit. Die Lektionen aus dem legendären Knigge, dem berühmten Lehrbuch der Benimmregeln des deutschen Schriftstellers Adolph Freiherr Knigge (1752–1796) müssen zweifelsohne in vielen Fällen erst erlernt werden. Doch wer den guten Ton in Deutschland beherrscht, weiß sich nicht zwangsläufig auch im Ausland richtig zu benehmen. Ein Faux Pas passiert hier schneller als man denkt – und meistens gänzlich aus Versehen.

Ob die Legende wohl stimmt? Damals im Wilden Westen war es üblich, sein Essen stets nur einhändig mit der Gabel zu sich zu nehmen – um jederzeit den Revolver, der sich in der freien Hand befand, zücken zu können. Schneller schießen als das feindliche Gegenüber, lautete die Devise. Auch heute essen viele Amerikaner ihr Fleisch nur mit der Gabel. Einzig der geladene Colt wird bei der Mehrheit der am Tisch sitzenden nicht in ihrer freien Hand ruhen.

Inder wollen ihr Essen kosten. Und zwar mit allen Sinnen. Das bedeutet, sie wollen es sehen und fühlen (!), bevor sie es schmecken. In der Praxis heißt das, dass in Indien häufig ohne Besteck gespeist wird. Die Nahrung wird dabei ausschließlich mit der rechten Hand zum Mund geführt, die linke gilt als unrein. Mit ihr Nahrung zu berühren ist strengstens tabu. Auch Schüsseln und Teller dürfen nur mit der rechten Hand weitergereicht werden.

Wer sich beim Essen mal so richtig gehen lassen möchte, sollte nach China reisen. Hier ist Schmatzen, schlürfen und das sprechen mit vollem Mund nicht nur gestattet, sondern auch ein Ausdruck dessen, dass es schmeckt. Dieses Verhalten entsteht aus dem chinesischen Grundsatz, dass es beim Essen vor allem darum geht, es sich mal richtig gut gehen zu lassen.

Russisches Essen ist deftig. Da ist mal als Fremder schnell satt und froh, wenn man es geschafft hat, seinen Teller vollständig zu lehren. Böse Falle! Ein leerer Teller bedeutet für den Gastgeber, dass der Gast noch nicht satt ist und einen Nachschlag wünscht. In Deutschland gehört es zum guten Ton, seinen Teller leer zu essen. In Russland funktioniert die Regel andersherum: Bist Du satt, lass ein Stückchen auf dem Teller zurück. Dann bleibt Dir der Nachschlag erspart. Aber Vorsicht: Nicht schon bei der Vorspeise satt essen – die Gastgeber erwarten, dass man zumindest alle Gänge des Menüs probiert.

Spaghetti werden in Deutschland ganz gepflegt mit Gabel und Löffel aufgerollt, um das Nudelknäul dann möglichst elegant in den Mund zu bugsieren. Das rät auch die Benimm-Bibel Knigge. In Italien wird Pasta jeder Art jedoch nur mit der Gabel, also ohne Löffel, gegessen. Das Kleinschneiden oder Abschneiden von langen Nudeln mit Gabel oder Löffel ist unüblich und erntet garantiert schiefe Blicke. Also lieber weniger Nudeln auf die Gabel – die lassen sich in der Regel besser handhaben, ohne dass Pastasoße und Teigwaren eine Sauerei auf der Kleidung anrichten. Oder aber man entscheidet sich für kleine, kurze Nudeln, die sich leicht mit der Gabel aufspießen lassen – Farfalle oder Penne zum Beispiel.

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